Ich war lange weg, zu lange. Und ich kann noch nicht mal in Worte fassen warum. Genaugenommen gab es keinen einzelnen Grund, aber eine Ansammlung von kleinen Gründen. Angst davor, zu tief zu graben, was mir beim Schreiben zwangsläufig passiert. Zu viel Ablenkung durch Stress in der Arbeit, Jobsorgen und der Suche nach Alternativen, vor allem aber einfach das Gefühl, nichts Besonderes zu sagen zu haben oder preisgeben zu wollen. Chaos in meinem Kopf und in meinem Herzen. Selbstfindung.
Die Strategie der letzten Tage und Wochen: alte Freunde treffen, Spaß haben. Die Sorgen weglachen. Und das hat gewirkt und tat der Seele gut, öffnete das Herz wieder, ließ mich tiefer in mich hineinsehen, das warf neue, ganz andere, viel tiefer gehende Fragen auf. Wahrscheinlich war gerade das gut, genau das, was ich gebraucht habe, um weiterzukommen.
Jetzt ist die unangenehme Zeit vorbei.
Klarheit im Job. Und ein besseres Ergebnis als erwartet - in jeder Hinsicht. Und ist plötzlich der Knoten geplatzt? Denn kaum habe ich wieder die ersehnte Jobsicherheit, stellt sich heraus, dass ich die nervige Kollegin loswerde! Und jetzt, ganz plötzlich, eile ich von einem Vorstellungsgespräch zum nächsten. Ich hör es mir alles an, vertrauend, dass ich mich schon richtig entscheiden werde. Ich kann jetzt nicht anders, als meine Chance wahrzunehmen, auch wenn ich nun abgesichert bin.
Und was im Job gilt, kann doch auch fürs Private nicht verkehrt sein...
Seit Wochen beobachten wir ein Vogelpaar beim Nestbau direkt über der Terrassentür, wo eigentlich Rollläden vorgesehen wären. Sie ließen sich durch nichts stören, flogen an uns vorbei, wenn wir draußen frühstückten.
Seit ca. Einer Woche ist der Nachwuchs da, unverkennbar am lauten Gezwitscher, wenn die Eltern zum Füttern kommen.
Es ist schon merkwürdig, wie wir darauf reagieren. Es ist unser Haus, unsere Terrasse, aber wir bemühen uns, sie nicht zu stören, warten, bis sie wegfliegen, ehe wir die Türe öffnen.
Heute Früh standen wir im Schutz der Terrassenüberdachung und sagen in den regennassen Garten, als sich das Vogelpaar sichtlich nicht mehr zurücktraute. Er setzte sich abwartend auf den Zaun, sie auf den Rosenbogen und sie fingen eine lautstarke Diskussion an, die ich hier einfach mal frei übersetze:
“Wir können nicht zum Nest, siehst du nicht, sie stehen direkt davor.”
“Richtig, so ein Mist. Aber sie gehen bestimmt auch gleich wieder. In den letzten Tagen waren sie auch nicht so viel draußen.”
“Du alter Optimist, die bleiben bestimmt länger, und wir können die Kleinen nicht füttern. Ich hab dir gleich gesagt, dass es nicht gut ist, wenn wir hier auf der Westseite bauen.”
“Du spinnst doch, es ist genau der richtige Platz. Hast du vergessen, was unseren Nachbarn auf der Ostseite passiert ist? Der Marder hat ihre Eier gestohlen und das Nest zerstört! Ich habe und das sicherste Plätzchen ausgesucht.”
“Aber was nützt uns das, wenn wir jetzt nicht hin können, weil die auf der Terrasse herumlaufen müssen?”
“Nerv mich nicht. Es ist doch heute viel zu kalt, die gehen bestimmt gleich rein.”
“Vielleicht. Aber es wird wieder schöner werden, und dann machen sie wieder Feuer und laden alle ihre Freunde ein. Und wie sollen wir dann die Kleinen füttern?”
“Du siehst das viel zu negativ. Weil sie da sind, ist es im Garten viel feuchter, und so erwischen wir die Würmer viel leichter. Und sie tun den Kleinen doch nichts. Seit einer Woche sind sie geschlüpft und sie haben ständig gepiepst. Das haben die sicher gehört, aber sie haben uns nichts getan.”
“Aber wer weiß, was ihnen noch einfällt! Ach, hätten wir doch weiter oben gebaut! Im oberen Stockwerk können sie wenigstens nicht rauskommen.”
“Reg dich nicht auf, sie gehen ja schon wieder. Jetzt sind wir sicher. Los geht’s!”
Der Abgestürzte schafft es immer wieder, mich betroffen, schockiert und nachdenklich zu machen. So wie letztens auf einer Familiengeburtstagsfeier, als er es im Streit mit seiner Freundin - dem "Nachtschattengewächs", wie mein Vater sie einmal nannte - schaffte, dass die Nachbarschaft zusammenlief.
Macht auch nichts, dass ich die Party ausrichtete und es somit meine Nachbarn waren. Peinlich!
Langsam hab ich die Nase voll. :o(
Ein Anruf in Abwesenheit - seit neuestem elektrisierend für mich, besonders, wenn er während der Arbeitszeit eintrifft. Diesmal nur eine Marketingumfrage. Ich hänge also weiter in der Warteschleife, das bin ich ja schon gewohnt, also bleibt einstweilen alles beim Alten.
Neu ist jetzt nur, dass auch das Ansehen der Anruferliste zum Abenteuer wird: Der Anruf eben ist vom 30.6.2010, 12:48. Die letzen Anrufe hingegen sind vom 4.7.2010 - aus der Zukunft?! Nokia - connecting people - auch aus unterschiedlichen Zeitdimensionen?
Cool ist, Stellenanzeigen zu lesen, während die Chefin im Raum ist, die Bewerbung am Firmendrucker auszudrucken, in der Arbeitszeit einen Vorstellungstermin zu vereinbaren und auch gleich im Internet Informationen übers Zielunternehmen einzuholen.
Eigenartigerweise wollt ich schon mal dringender weg als gerade eben, aber man kann sich ja auch keine Chancen entgehen lassen...
Ich hatte meine Uhr vergessen, sah ständig nur auf meinen bloßen Unterarm, wenn ich die Zeit bis zur Pause in dieser langweiligen Weiterbildung herausfinden wollte.
Und er lachte darüber.
"Zeitlos glücklich" nannte er mich, obwohl ich doch so gern die Worteschmiedin spielte, und er sich für nicht wortgewandt hielt.
Doch genau das war ich an diesem Tag: zeitlos, entspannt und ohne jeden Stress. Und glücklich, einfach so.
Es gibt ein Wort, das ich mir ständig vorsagen muss, wenn ich mal wieder derart rot sehe wie heute, die Bezeichnung meiner Lieblingskollegin für meine direkte Kollegin: "Scheißwichtlerin".
Genau das ist sie, genau das tut sie. Sie bauscht Kleinigkeiten auf und behandelt sie wie Wichtigkeiten. Ihre Kleinlichkeit, ihre Pingeligkeit, Ihre Rechthaberei sind unerträglich und machen mich wahnsinnig.
In diesem Sinne - auch wenn es meinen Musikgeschmack normalerweise nicht trifft - IST ES WICHTIG???!!
Manche Tage fühlen sich an wie ein Traum, so wie mein Tag heute. Vom Moment des Aufstehens bis jetzt abends schwebte ich wie angetrunken umher, war definitiv nicht bei der Sache und chronisch abgelenkt. Zeitweise vor mich hinlächelnd, war ich noch nicht einmal in der Lage, mir nichts anmerken zu lassen.
Es war heute einfach zuviel, zu viele ungewöhnliche Begegnungen, unerwartete Nachrichten, dazu noch blendender Sonnenschein.
Vielleicht haben sich heute auch andere so merkwürdig gefühlt, vielleicht liegt es an der Sonne, jedenfalls war es ein Tag voll emotionaler Offenheit, voller Anziehung und voller Verwirrung.
Heute morgen, auf den Straßen war es wegen dicker Regenwolken noch relativ dunkel, ging ich durch die verlassen wirkenden Siedlung zur Bushaltestelle. Keine Schüler, keine anderen Berufstätigen, nur ich. Einen Moment lang überlegte ich, ob ich eh nicht eine Stunde zu früh dran sei. Aber nein, alles okay.
Dann fuhr ein Bus an in die Haltestelle ein, dessen 5 Insassen allesamt schliefen. Ein Geisterbus - wie aus einem Horrorfilm! Wie zuletzt im Kino bei meinem letzten Horrorfilm wurde mir mulmig.
In meinem Bus waren dann zum Gück alle Fahrgäste wach - von "hellwach und munter" will ich lieber nicht schreiben.
So stellte ich mir - so wie jedes Jahr um diese Zeit - die Frage, wozu um alles in der Welt wir diese Zeitumstellung brauchen, die doch jedes Mal so furchtbar schwer fällt.
Und bitte niemand soll mir auf diese Frage mit "Dafür ist es doch im Sommer abends noch so schön hell" antworten! Genau, abends ist es noch so schön hell - und in Winter wäre es auch viel angenehmer, wenn es nicht schon ab 16:00 finster werden würde!
Wie wäre es also mit Umstellung auf Sommerzeit - und zwar endgültig?